Zusammenfassung TOP-Seminar 2008

13.10.2008

Österreichs Tourismus im Aufwind?
BÖTM TOP-Seminar 2008
8. bis 10. Oktober im Kongresszentrum Bad Hofgastein


Die Chancen Österreichs auf internationalen Märkten, aktuelle Nachfragetrends sowie neue Kommunikationskanäle standen im Mittelpunkt des TOP-Seminars des BÖTM (Bundesverband Österreichischer Tourismusmanager), das von 8. bis 10. Oktober im Kongresszentrum in Bad Hofgastein im Salzburger Land stattfand.

Im internationalen Dialog
Deklariertes Ziel ist, so Dr. Petra Stolba, Geschäftsführerin der Österreich Werbung, „Österreich muss als Tourismusland wachsen“. Grundlage dafür sind exakte Analysen der Gästenachfrage und der Wachstumspotenziale, genaue Marktkenntnis sowie differenzierte Marktbearbeitungsstrategien. Denn nicht jeder Markt funktioniert gleich. Die Österreich Werbung setzt zudem vermehrt auf Allianzen. Die „Allianz der 10“ mit den 9 Bundesländern wird zum Beispiel 2009 erstmals eine gemeinsame Imagekampagne in Deutschland lancieren.

Wie unterschiedlich die Wege zur Internationalisierung sein können, zeigte die anschließende Podiumsdiskussion. Zell am See/Kaprun, so Tourismusdirektor Hans Wallner, hatte vor 20 Jahren 70 % Gäste aus Deutschland, heute sind es zwischen 35 bis 40 %. Mit langfristig geplanten Maßnahmen und interkulturellen Seminaren vor Ort konnte Zell am See/Kaprun mittlerweile neue Gäste aus Zentral-, Ost- und Südosteuropa gewinnen, neuerdings auch aus dem arabischen Raum.
Ganz anders zeigt sich die Situation im Kleinwalsertal, wie Tourismusdirektorin Claudia Schleh berichtete: das Tal zählt bis zu 90 % Gäste aus Deutschland und ist dementsprechend abhängig von Marktschwankungen. Neu zu erschließende Märkte sieht das Kleinwalsertal vorwiegend in Westeuropa.
Dass es keine krisensicheren Märkte gibt und wie wichtig deshalb ein guter Gästemix ist, unterstrich Walter Veit, Hotelier in Obertauern.
Serfaus-Fiss-Ladis, so Tourismusdirektor Josef Schirgi, konzentriert sich auf die Bearbeitung von vier Märkten im Nahbereich. Die Erschließung und Bearbeitung neuer und ferner Märkte fällt in den Aufgabenbereich der Tirol Werbung.

Gleich drei Experten gaben Einblick in die Möglichkeiten, die das „worldwide web“ – nämlich das Social Web bzw. Web 2.0 – bietet, mit bestehenden und neuen Gästen „ins Gespräch zu kommen“: Martin Schobert (Österreich Werbung), Helge Fahrnberger (www.toursprung.com) und Ed Wohlfahrt (PR Berater).
Sie stellten für den Tourismus relevante, dialogorientierte Social Networks wie facebook und XING vor, informierten über Communities wie Twitter und die Foto-Website Flickr, berichteten über Erfahrungen mit Tourismus-Blogs und über neue Formen der optischen Darstellung – zum Beispiel durch die Verknüpfung von Landkarten mit Fotos, Wander- und Radwegen, Hotelbewertungen und persönlichen Eindrücken von Usern.


Internationalisierungsgrad ist zu gering
Für Rudolf Tucek, CEO der Vienna International Hotelmanagement AG, ist der Internationalisierungsgrad in Österreich nach wie vor zu gering. Gründe dafür sieht er unter anderem in zu kleinen Betriebsgrößen (41 Betten hat ein österreichischer Betrieb im Durchschnitt), in nachteiligen Rahmenbedingungen (z.B. Ladenöffnungszeiten, Visa-Politik, Verkehrspolitik, Ferienordnung), aber auch in der Langsamkeit mancher Entscheidungsprozesse.

Fliegen wird teurer
Dass der Emissionshandel, der mit dem Jahr 2012 in Kraft tritt, die touristische Landschaft in Europa verändern wird, machte Raphael von Heereman von TUIfly deutlich. Denn: Fliegen wird teurer werden. Allein TUIfly rechnet aus heutiger Sicht mit Mehrausgaben von 20 Millionen Euro für Emissionszertifikate im Jahr 2012. Dabei ließen sich bereits heute in Europa 10 Millionen Tonnen CO2 einsparen, gäbe es den „Single European Sky“.
Nachteilig wird sich der Emissionshandel auch deshalb auswirken, weil es sich dabei um eine europäische Insellösung handelt. Betroffen sind nur Flüge innerhalb Europas und Flüge nach Europa.

So redet man sich zum Erfolg
Wie Botschaften gestaltet sein müssen, damit sie beim Empfänger ankommen, erläuterte Ingrid Thurnher vom ORF in einem kurzweiligen Dialog mit ihren Zuhörern. Darunter fand sich auch so mancher Tipp für die Beantwortung von Medienfragen, für Gruppen-Moderationen und Diskussionen sowie für TV-Interviews.

Aktuelle Marktentwicklungen
Strategien und Allianzen mit den Salzburger Festspielen, Unternehmen wie Red Bull und besonders der Landwirtschaft stellte Leo Bauernberger vor, Geschäftsführer der Salzburger Land Tourismus GmbH. Neu ist die Vermarktungsplattform „one big park“. Sie bündelt Abenteuer- und Outdoor-Angebote und richtet sich vorwiegend an Jugendliche.

Einen Überblick über Ergebnisse einer aktuellen Studie des Instituts für Freizeitwirtschaft München zum Thema Gesundheitstourismus gab Alexandra Graf. Bis zum Jahr 2020 wird die Zahl der Deutschen, die sich für einen Gesundheitsurlaub interessieren, um 31 % (= 13,1 Mio. Menschen) steigen. Die größte Steigerung ist im Segment „medical Wellness“ zu erwarten, der aktiven und vorbeugenden Form von Wellness-Urlaub.

Manuel Geyer, Direktor der weltweit tätigen Schletterer Wellness & Spa Design GmbH, informierte über aktuelle Entwicklungen beim Bau von Wellnessanlagen. Stark im Kommen sind Kombinationen von Wellness und Sport bzw. Vorbeugung sowie Wellness-Einrichtungen und Angebote für Familien.

Franz Hofmann von der Post AG stellte die neue Landkarte „Europa interaktiv“ vor. Sie gliedert Europa in 2.400 Regionen und macht es möglich, die Herkunft der Gäste und Gästeanfragen kleinräumig über einen Vergleichszeitraum hinweg aufzuschlüsseln und somit den Erfolg von Marketingmaßnahmen zu evaluieren.

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